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Die Geschichte des Ski - Club Kottmar e.V.

Kottmar Geschichte(n) - Erzählt von Henriette Mehn

Die überlieferungen besagen, dass der Skiverein 1931 gegründet wurde. Stimmt auch… zumindest ungefähr. Ein genaues Gründungsjahr ist nicht herauszufinden, fest steht allerdings, dass der SC Kottmar ungefähr 1930 gegründet wurde und, dass im selben Jahrzehnt mit dem Bau der ersten Schanze begonnen wurde.

die 50iger Jahre

Was danach folgt ist erstmal lange nichts, jedenfalls nichts, was überliefert wurde. Ein nächster Lichtblick findet sich im Jahr 1952: Es gibt noch Bilder von der alten Kottmarschanze! Außerdem fanden auf dem Kottmar Kreismeisterschaften statt und die Beteiligung war ziemlich groß. Diese Kreismeisterschaften waren der erste Schritt zu einer Reihe von Erfolgen bzw. Teilnahmen an zahlreichen regionalen und nationalen Wettkämpfen des SC Kottmar. Denn eine Saison später 1953/54 nimmt der Skiclub an den Aschbergskispielen teil. Damit man sich ein Bild von der damaligen Situation des Vereins machen kann: Stellen Sie sich vor, heute würde ein Mitglied des Vereins einen Brief an ‚HO – Sportartikel‘ Löbau schreiben – mal abgesehen davon, dass es diese Laden nicht mehr gibt - und anmelden, dass der Skiverein einen dringenden Bedarf an Anoraks, Seilzugbindungen und Skistöcken zu vermelden hätte. Damals war das alltäglich und natürlich wurde der Wunsch nach weiteren Kleidungsstücken etc. erfüllt… In der eben erwähnten Saison gab es noch ein Novum: Den Walter-Loschke-Gedächtnislauf, allerdings fand der damals noch in Neugersdorf statt. Start war beim Bismarckturm und das Ziel war auf der Hutung. Ein weiterer Bericht ist aus dem Jahr 1955 überliefert. Es mussten Arbeiten zur Vorbereitung für den Bau der neuen Schanze getroffen werden. Treff für alle Sportler und sonstige Helfer war Punkt 6 Uhr in Neugersdorf. Frühs um 6. Nun machen wir wieder einen Zeitsprung und landen im Jahr 1964, als der Kottmar in der Zeitung Schlagzeilen macht. Der Skiverein wurde zum Nachwuchsstützpunkt erklärt. Ein Jahr später, genauer gesagt am 2. November 1965, schlägt der SC Kottmar dem Holzmarkt Neugersdorf einen Deal vor: Die Sportler des Vereins arbeiten beim Holzmarkt und dafür bekommt man das Holz dann zum Sonderpreis. Sowas lief dann damals wahrscheinlich unter ‚Sondertraining‘… Das sorgte zwar für eine optimale Vorbereitung für den Wettkampf, die Nervosität nahm es den Sportlern allerdings nicht. Ein Beispiel dafür ist Alfred Steigelmann, der die Nacht vor dem Wettkampf immer mit umgebundener Startnummer schlief. Ob das ein Erfolgsgeheimnis war, ist zwar zu bezweifeln, aber für die persönliche Motivation tut man ja bekanntlich alles.

die 60iger Jahre

Im Jahr 1966 fand schließlich die Grundsteinlegung zur Kottmarschanze statt, nachdem man ziemlich genau 11 Jahre um das Baurecht gekämpft hatte, denn, wie vorhin erwähnt, schon 1955 hatte man bauen wollen. Am 25. März 1967 rief der Kottmar seine Mitglieder zum Arbeitseinsatz auf. Gearbeitet wurde an den Wochenenden und Feiertagen und zwar jeden Samstag von 8 bis 17 Uhr und jeden Sonntag von 7:30 bis 13 Uhr. 1968 formierte sich die erste offizielle Trainingsgruppe auf dem Kottmar und im selben Jahr, am 29. Dezember, fand die Schanzenweihe der Kottmarschanze statt. Mit dabei waren 4500 Zuschauer, die alle gespannt und fasziniert den Weihsprung miterleben konnten. Zwischen 1968 und 1970 fanden außerdem in Walddorf selbst auch Wettkämpfe statt. Natürlich sah da die Wettkampfkleidung noch etwas anders aus als heute… außerdem wurden die Skier auf der ‚Friedenseiche‘ zwischengelagert und gewachst. 1969 fand das bisher einzige Osterspringen statt. Die Verantwortlichen waren wahrscheinlich durch die neue Schanze, um deren Bau sie so lange gekämpft hatten, in eine Art Dauereuphorie versetzt worden und dies wirkte sich nicht nur auf den Bereich Skispringen aus. 1970 nämlich fuhren einige Skiläufer das erste Mal zum Isergebirgslauf in die Tschechoslowakische Republik. Zwei Jahre später allerdings zeigten die Sportler des Vereins, wie mutig sie auch schon damals waren: Als plötzlich am Turm ein Brand ausbricht, der sich über das Gras schnell ausbreitete und in einen Waldbrand verwandelte, sind viele von Ihnen zur Stelle und helfen beim Löschen. Die Feuerwehr verhinderte, dass das Feuer auf die Sprungschanze übergriff. Ein Jahr später findet das erste internationale Mattenspringen auf dem Kottmar statt. Die gesamte DDR-Skisprungnationalmannschaft ist anwesend inklusive Matthias Buse, dem Mann, der 5 Jahre später Weltmeister werden würde. Ins, zu dieser Zeit gerade neu errichtete Skiheim, kamen Vereine von nah und fern. Ein gern und oft gesehener Gast waren die Sportler vom SG Fortschritt Eibau, aber auch Basketballmannschaften aus Berlin nahmen den weiten Weg in Anspruch um im Skiheim ein ausgedehntes Trainingslager zu veranstalten.

die 70iger und 80iger Jahre

1979 steht der Skiclub zum wahrscheinlich ersten Mal vor dem Problem, dass zu wenig Sportler Sport treiben wollen. Auf der Lokalseite der Sächsischen Zeitung vom Mittwoch, dem 14. Februar, findet man einen Aufruf mit dem Titel: Springernachwuchs gesucht. Im selben Jahr kann der Kottmar ganz besondere Gäste begrüßen. Aus dem fernen Kuba waren sie angereist und nun auf dem Kottmar zu Gast: kubanische Skispringerinnen. In der Saison 1979/80 fand außerdem die erste Kinder- und Jugendspartakiade statt. 1980 schließlich ruft der Kottmar zum Skifasching auf und das Angebot wird großartig aufgenommen. Am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, im Jahr 1980 gab es für die Sportler des Skiclubs eine überraschung: neue Trainingskleidung! Am 24.10.1981 wird Werner Bartsch, natürlich ebenfalls Mitglied im Verein, die ‚Friedrich-Ludwig-Jahn-Medaille‘ verliehen, mit anschließendem Cocktail trinken. Sowas lässt sich natürlich niemand freiwillig entgehen. Einem weitaus größeren Problem sieht sich der Verein allerdings 1982 ausgesetzt. Am 5. November dringt die Nachricht durch, dass der Brunnen versiegt sei und man dringend 10.000 Liter Trinkwasser benötigen würde. Ein halbes Jahr später, am 7. Mai 1983 richtet der SC Kottmar das siebente Mattenspringen aus. Wer jetzt nachrechnet, würde sagen: „Halt, es ist das neunte!“. Er hätte recht, allerdings, fand das Mattenspringen aus verschiedensten Gründen in den Jahren 1981 und 1982 leider nicht statt. Was allerdings auch noch erhalten ist, ist ein Aufstellungsplan zur Siegerehrung beim Mattenspringen. Zwei Jahre später schließlich fand die erste Kampfrichterspartakiade statt. Ein ziemlich lustiges Detail an der ganzen Sache ist das Mittagessen: Nach dem Wettkampf waren natürlich alle ziemlich hungrig und die Küche hatte Kesselgulasch als Essen ausgeschrieben. Allerdings verzögerte sich das Mittagessen, weil der Kesselgulasch noch nicht fertig war und die hungrigen Sportler schlugen mit ihrem Löffeln auf die Teller und riefen: „ Wir haben Hunger!“ Das Problem: Die Teller waren aus einem ziemlich spröden Material und zersprangen, als mit den Löffeln auf sie geschlagen wurde. Da war es dann wohl doch nichts mit Mittagessen… 1987 nahm der Kottmar an der 19. DDR-Bestenermittlung teil und das ziemlich erfolgreich. Vom 30. Januar bis zum 1. Februar kämpften 120 Wettkämpfer aus 8 Bezirken um Medaillen und Platzierungen. Im nächsten Jahr machte sich der Skiverein daran, den Aufsprunghang zu erneuern und es werden neue Matten ausgelegt. Im Wendejahr entsteht ein kleines Museum im Skiheim, außerdem ein Getränke- und Imbissstand.


die 90iger bis heute

1991 findet bei guten äußeren Bedingungen der Walter – Loschke- Gedächtnislauf statt. Dabei strahlen die Trainer des SC Kottmar mit der Sonne um die Wette, denn die Ergebnisse der Sportler sind hervorragend. Ein paar Monate später gibt es anlässlich der 300 Jahrfeier ein Pokalspringen und durch Maik Arnold wird ein Schanzenrekord aufgestellt. Ein weniger schöner Fakt in diesem Jahr ist, dass Walddorf die Kosten, die der Verein bereitet, nicht mehr tragen kann. Glücklicherweise rettet die Obhut des Kreises das Bestehen des SC Kottmar.

Dass der Kottmar auch ein Verein ist, der gerne mal feiert, wussten wir ja schon. Am 29. Mai 1993 lädt er wieder einmal ein, diesmal zur Disko im Skiheim. Da solche Angebote immer gern angenommen werden, wird auch diese Disko ein voller Erfolg. Und dass, obwohl die letzte Feier erst acht Tage her war, denn am 21. Mai feierte man 20 Jahre Mattenspringen. Ein Jahr darauf kommt dann der, wenn Sie so wollen, internationale Durchbruch des Vereins, die Sportler des Skiclubs schwärmen in die Welt und sind bei vielen internationalen Wettkämpfen, z.B. dem Wasalauf in Schweden, vertreten. Mal eine kurze Zwischenbilanz: Im Jahr 1996 zählt der SC Kottmar 94 Mitglieder. Als Trainingstage sind Dienstag, Donnerstag und Samstag ausgeschrieben – das hat sich also über die Jahre hin nicht verändert. Nur im Winter, da wurde auch noch mittwochs trainiert. Am 12.10.1997 gab es mal wieder einen neuen Wettkampf: den Herbstcross. Der Kurs war ziemlich Anspruchsvoll, auch das hat sich bis heute nicht geändert, doch die Beteiligung war ziemlich groß. 180 Starter nahmen teil. Ein weiterer Herbstwettkampf war der Glühwein- bzw. Skiwasserlauf. Eine genaue Teilnehmerzahl kann man nicht angeben, aber es ist zu vermuten, dass sich sicherlich viele aufgemacht haben, der Name ist ja schon Motivation genug. Im März des Jahres 1999 taten sich Probleme anderer Art auf: Die Heizung war ausgefallen, und das nicht wegen zu wenig Holz, auch wenn die Sportler keine Arbeitseinsätze auf dem Holzmarkt mehr zu absolvieren hatten. Die Löbauer Bergquell Brauerei unterstützte den Verein tatkräftig, außerdem lief eine neu ins Leben gerufene Spendenaktion für die Heizung des Skivereins. Schließlich – nach einem halben Jahr ohne Heizung - ist der Ofen am 7. Oktober wieder funktionstüchtig, wird allerdings am 30. Oktober durch eine neue Heizung ersetzt.

Unabhängig von den Heizungsproblemen machte sich eine in die Welt auf, um sozusagen ihre körperlichen Grenzen auszutesten. Jana Richter nahm an bisher 3 naturverbundenen Expeditionswettkämpfen teil – für Leute, die nicht so durchtrainiert sind, käme das Wort ‚Horrorlauf‘ eher in Frage, aber dank des ausgezeichneten Trainings, das Jana zuteilwurde, meisterte sie alle drei Expeditionswettkämpfe hervorragend. Auf dem Kottmar gab es im Jahr 2000 mal wieder etwas zu feiern: 25 Jahre Mattensprunglauf. Im selben Jahr entstand auch eine neue Anlaufspur aus Keramik. Zwei Jahre später war mit Andreas Goldberger ein international erfolgreicher Skispringer aus unserem Nachbarland österreich zu Gast. Er weihte die neue Rollerstrecke mit ein. Außerdem eröffnete Goldberger den Reigen der berühmten Sportler, die sich beim Mattenspringen die Ehre geben. Ein Zeitsprung bringt uns ins Jahr 2004, das Jahr, in dem Heiko Krause das Amt des Präsidenten des Skiverbandes Sachsen zugesprochen wurde, welches er ja bekanntlich bis heute innehat. Im Oktober diesen Jahres wurde die Modernisierung der Kottmarschanze abgeschlossen – es war ein neuer Auslauf entstanden. Ein gutes Vierteljahr später wurden Alfred Steigelman und Werner Bartsch mit der Ehrennadel des Skiverbandes Sachsen ausgezeichnet. Das Jahr 2005 ist außerdem das erste Jahr, in dem zum Mattenspringen – es ist das 30. – Schnee liegt. Das nächste Highlight ist im Januar bzw. Februar des Jahres 2006 datiert, als die 15. Sachsenmeisterschaften im Zittauer Gebirge stattfindet. Und – wie nicht anders zu erwarten – auch da ist der Kottmar erfolgreich. Aber auch weniger schöne Ereignisse sind mit dem Jahr 2006 verbunden: am 4. Dezember fährt ein unbekannter Täter mit dem Auto den Schanzenauslauf hoch, er hinterlässt einen beträchtlichen Sachschaden. Alles konnte jedoch repariert werden, auch auf das Training hat es keinerlei Einfluss, das wird auch deutlich, als für den SC Kottmar neuerliche Erfolge bei den Landesjugendspiele 2008 in der Oberlausitz herausspringen. Auch das Fernsehen war schon auf dem Kottmar zu Gast, z.B. 2008 als Tim Rauch bei der Sachsenspiegelserie ‚Mein Wetter‘ erzählend durch den Kottmarwald spazierte. 2009 gibt es wieder eine technische Neuerung an der Sprungschanze: Die Anlaufspur ist jetzt aus Edelstahl. Im August im selben Jahr findet der erste Inlinerwettkampf in Walddorf statt. Eine alte Tradition wurde wiederbelebt und das wurde gut aufgenommen.

In den Jahren 2014/2015 steht dem Skiverein wieder eine Bewährungsprobe bevor. Die Rekonstruktion der großen Kottmarschanze . Durch die Unterstützung des Freistaates Sachen, der Gemeinde Kottmar und vor allem den vielen ehrenamtlichen Helfern, konnte auch dieses Großprojekt gestemmt werden. Und einem erfolgreichen Jubiläum, dem 40. Mattensprunglauf, auf der großen Kottmarschanze stand nichts mehr im Wege. Um unsere ganz kleinen Kottmaradler auch eine Trainingsmöglichkeit zu bieten, haben wir 2017 die Mini-Schanze gebaut.

info@sc-kottmar.de